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Mesut Özil: Fußballgott oder voll im Abseits?

Er wird im Stadion mit Fußballgott angekündigt, er ist Weltmeister: Mesut Özil. In Deutschland ist er ein Fußballer ohne hohe Beliebtheitswerte. Der Skandal rund um sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat seine Abseitsstellung verstärkt.

Es wirkt wie das Bild von zwei Personen. Manchmal habe ich das Gefühl wir reden über zwei unterschiedliche Özils. Auf der einen Seite ein gefeierter Held. Grandiose Pässe und Schüsse. Ein Held mit eigenen Plakaten in den Zimmern auf der ganzen Welt. Auf der anderen Seite, ein stiller, fast unbeliebter Mesut Özil. In Deutschland hat der Fußballer wohl nie den Erfolg erreicht, den er auf der Weltbühne schon längst genießt. 

Vor allem in Ostafrika ist eines auffällig: An den Wänden meiner Freunde hängen Poster eines Deutschen. Mesut Özil ist kein Unbekannter in Kenia und Uganda. Viele bewundern den deutschen Nationalspieler. Die offensichtlichste und einfachste Möglichkeit wäre zu sagen, dass es an seiner Mannschaft liegt. Der 29-Jährige spielt bei Arsenal London in der Premiere League. Die genießt ein hohes Ansehen im Osten Afrikas. Aber nicht jeder Spieler ist gleich beliebt. Özil schafft es mit seinem Talent und seiner Art herauszustechen. Aber wieso schafft Mesut Özil das nicht in Deutschland? Hier wirkt der Fußballer blass und unscharf. Gleichzeitig muss er sich großer Kritik aussetzen, wenn er einmal ins Rampenlicht tritt. 

@MesutOzil1088

@MesutOzil1088

 

Der Nachrichtensender ntv beschreibt 2016 die Situation so: „In den Augen der Uefa (hat Özil) ein so gutes Spiel gemacht, dass er zum „Man of the Match“ gewählt wurde. Eine schöne Auszeichnung. Und hätte sie beispielsweise der ebenfalls auffällige Joshua Kimmich bekommen, er wäre dafür gefeiert worden. Nicht aber Özil.“ 

Mesut Özil schafft es nicht in die Arena der Beliebten zu steigen. Anders als ein Podolski oder Boateng. Özil selber verwundert dabei, dass diese oft nicht einmal mit ihrem Migrationshintergrund konfrontiert werden. Özil stattdessen wird seit Beginn seiner Karriere als der Deutsch-Türke bekannt. „Nur ich werde so bezeichnet. Bei Sami Khedira sagt keiner ‚der Deutsch-Tunesier‘ oder bei Lukas Podolski und Miroslav Klose ‚der Deutsch-Pole‘. Viele vergessen, dass ich in Gelsenkirchen geboren wurde, in Deutschland aufwuchs“, sagte Özil 2015 in einem Interview mit der Sport Bild.

Mesut Özil ist keiner der die Massen mitreißt. Kein Anführer. Er drängt sich nicht in den Vordergrund. Riesenego oder unverstandenes Fußballgenie? ntv sagt: „Es ist verdammt schwer, Mesut Özil richtig zu deuten – und ihn zu verehren.“ Andere haben da ein anderes Bild. Weltfußballer Christian Ronaldo äußert keine Kritik – versteht sie sogar nicht. Als Mesut Özil 2013 von Real Madrid zum FC Arsenal wechselt, trauert Ronaldo ihm fast nach: „Sein Weggang ist eine sehr schlechte Nachricht für mich. Ich bin wütend über seinen Wechsel.“  

All diese Worte werden nichts daran ändern. Mesut Özil wird seine Rolle in Deutschland nicht verbessern. Sein Foto mit dem türkischen Präsidenten hat aber auch nicht gerade geholfen. Der Sohn türkischer Eltern wird das auch wissen. Ich möchte Mesut Özil nicht in Schutz nehmen – halte das Foto auch für einen großen Fehler. Aber ich Zweifel an der öffentlichen deutschen Rolle. Haben wir Özil vielleicht auch dorthin getrieben? 


Ob Özil will oder nicht, er wird von Politikern benutzt. Auch Angela Merkel geht nicht ohne Grund in die Kabine, besucht die deutsche Mannschaft in Trainingslagern. Sie kennt die Wirkung solcher Bilder. 

Und Özil? Der nimmt das wohl einfach hin. Schämt sich aber nicht wegen seiner Herkunft. In der Sportbild sagte Özil 2015: „Deswegen bin ich stolz, dass ich von beiden Kulturen etwas mitnehmen konnte.“ Vielleicht sollten wir das Foto mit Erdogan nicht vergessen, aber Özil auch nicht für den Weltuntergang verantwortlich machen. Er kämpft für Deutschland und verkörpert einen internationalen Geist. Meine Freunde in Kenia haben das verstanden. Wir auch?



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